Predigt zur Jahreslosung 2017

Eine Herzsprechstunde

Neujahrspredigt zur Jahreslosung 2017 von Pfarrerin Clarissa Graz 

"Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch."  (Hesekiel 36, 26)

 

Willkommen

Liebe Gemeinde,

herzlich willkommen bei Ihrem Herzspezialisten in der ersten Herzsprechstunde im neuen Jahr. Schön, dass Sie gleich den erst möglichen Termin wahrgenommen haben. Das war eine sehr gute Entscheidung. Ich gehe davon aus, dass Sie alle beste Vorsätze gefasst haben für 2017: gesünder essen vielleicht, weniger rauchen, am besten gar nicht, Alkohol in Maßen, frische Luft und Bewegung, auf den Lebenswandel achten, ja: etwas für das Herz tun. Da sind Sie hier genau richtig.

Das Wartezimmer ist heute früh nicht überfüllt, das hat für Sie den Vorteil, dass für den einzelnen genug Zeit ist und Raum. Ihre Akte ist im Lebensbuch bewahrt. Machen Sie sich doch einfach schon einmal innerlich frei. Sie werden beim Namen gerufen. Und können für sich entscheiden, ob Sie ein Nächster sein wollen.

Wir haben uns alle Mühe gegeben, das Wartezimmer für Sie so angenehm wie möglich zu gestalten. Vieles erinnert an Patientinnen und Patienten, die vor Ihnen bereits hier waren. Viele werden nach Ihnen kommen, manche von Ihnen kennen sich ja bereits gut aus. Die Praxis gehört dem Vater, er arbeitet ungetrennt und unvermischt mit seinem Sohn zusammen, an dem er seine Herzkenntnisse bereits erfolgreich erprobt hat. Mit Hilfe des guten Geistes dieses Hauses kann es gelingen, dieses neue Herz von Generation zu Generation weiter zu geben, einzupflanzen, möchte ich einmal sagen. Allerdings versteht es sich von selbst, Sie vorher über Risiken und Nebenwirkungen zu informieren. Hier geschieht nichts unter Vollnarkose. Dem Chef sind Ihr volles Bewusstsein und auch ihre Einwilligung wichtig.

 

Zunächst: einige Referenzen

„Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an“. So hat es unser Herzspezialist bereits vor Jahren einmal gegenüber einem seiner Pflegehelfer auf den Punkt gebracht. Samuel war sein Name. Es ging um kein geringeres Herz als um das von König David aus Bethlehem, der zu der Zeit allerdings noch Hirte war, aber schon recht gut Harfe spielen konnte. Das damals angewandte Rezept: sich nicht auf das verlassen, was äußerlich zu sehen ist. Nicht alleine dem vertrauen, was der Mensch nach außen zeigt, sondern den Blick ins Innere wagen. Dieser Methode ist unsere Praxis bis heute treu geblieben.

Der Blick in das Herz ist – zugegeben - eine riskante Angelegenheit, für alle Beteiligten, aber ich darf Ihnen versichern, es lohnt sich. Das Herz: so weiß unser Spezialist – und inzwischen ist das IHM sei Dank auch im öffentlichen Bewusstsein wieder angekommen - ist ein schöpfungsmäßig großartiges Organ. Unglaublich, zu welchen Leistungen es in der Lage ist. 7000 Liter Blut am Tag pumpt es durch den Körper. Wirklich ein Meisterstück. Gut, darauf zu achten. Zugleich sitzt – so die Lehre und Überzeugung unseres Spezialisten – im Herzen das Leben. Oder auch nicht.

 

Methode

Ich kläre Sie auf zur Methode: Anders als in dem in der antike üblichen Verfahren des Herzenwiegens geht es hier um eine Methode der Herzensschau und – wenn gewollt – um eine geistliche Transplantation. In enger Zusammenarbeit mit den anvertrauten Menschen wird zur Anamnese eine doppelte Methode angewandt. Es geht zum einen um die Eigenanamnese, der die trinitarische Fremdanamnese zur Seite gestellt wird, um zu einem leibgeistlich gesicherten Ergebnis zu kommen.

 

Anamnese:

Kommen wir also nun zur Anamnese. Ich bitte Sie noch einmal, sich innerlich frei zu machen, ganz ruhig zu atmen und ihr Herz zu öffnen. Zur Vorbereitung der Behandlung werden Ihnen einige Fragen gestellt, die sie für sich persönlich beantworten. Parallel dazu wird sich auch der gute Geist des Hauses ihrer Antworten annehmen.

Das leichte Herz:

Wann ist es Ihnen leicht um das Herz?

Wie fühlt sich das an?

Wann hat ihr Herz zum letzten Mal vor Freude gehüpft?

Oder sogar gelacht?

Was ist Ihnen Herzenssache?

Herzensangelegenheit?

Verzeihen Sie das etwas bürokratische Wort, aber auch das ist wichtig. Die Herzensdinge klären.

Woran hängen Sie Ihr Herz?

Haben Sie Ihr Herz schon einmal verschenkt?

Wären Sie bereit, es wieder zu tun?

Wenn ja: warum?

Wenn nein: warum nicht?

Hat Ihnen schon einmal jemand sein Herz geschenkt?

Was haben Sie damit gemacht?

Wo sind Sie mit ganzem Herzen dabei?

Wann bekommen Sie Herzklopfen?

Herzrasen?

Herzschmerz?

Was macht Ihr Herz schwer?

Und: Wurde Ihr Herz schon einmal gebrochen?

Tut es noch weh? Sehr weh?

Was hilft Ihnen dagegen.

Und hilft es in echt?

Sind Sie mit Ihrem Herzen recht zufrieden oder wünschen Sie sich ein neues Herz?

Für wen soll es schlagen, Ihr Herz?

Pumpen?

Fühlen?

Lieben?

Leiden?

In Sprüngen gehen?

Hüpfen?

Lachen?

Leben?

Warum ist Ihnen Ihr Herz überhaupt wichtig?

Fällt es Ihnen schwer, Ihr Herz zu öffnen?

Oder fällt es Ihnen leicht?

Wem öffnen Sie ihr Herz?

Wurde Ihr Herz schon einmal enttäuscht?

Liegt Ihr Herz wie ein Stein in ihrer Brust?

Ist es vielleicht sogar versteinert?

Was erwarten Sie von Ihrem Arzt und Apotheker?

Mit welchen Heilmitteln haben Sie gute Erfahrungen gemacht?

Würden Sie diese einem Freund oder eine Freundin weiter empfehlen?

 

Aktion 2017

Kommen wir zur Aktion 2017. Deswegen sind Sie ja heute gekommen. Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. So das Angebot. Es ist schon seit über 2000 Jahren auf dem Markt, dieses Herz. Wird alle Jahre wieder angeboten zur Krippezeit. Es hilft gegen Kälte, wärmt in der Not, stärkt die Abwehrkräfte und macht zugleich sehr empfindsam. Das muss man wissen. Es ist sehr fühlig. Fühlt mit. Fühlt mehr. Es ist zart und stark zugleich. Trägerinnen und Träger dieses neuen Herzens sagen, dass sie anders leben. Näher bei sich, näher beim anderen, näher am Leben. Trägerinnen und Träger dieses neuen Herzens fühlen sich neu geboren. Sie sagen aber auch, dass sie die Risiken und Nebenwirkungen des Lebens stärker spüren.

Dieses Her weint mit den Weinenden und lacht mit den Lachenden. Es ist fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Übt Gastfreundschaft. Segnet. Ist auf Gutes bedacht. Hält Frieden. Wenn es den Feind hungert, so gibt zu essen; dürstet ihn, so gibt es zu trinken. Es lässt sich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwindet das Böse mit Gutem. Im Falle von Herzversagen oder Herzschmerz steht die Servicehotline zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit. Vater, Sohn und guter Geist des Hauses sind auch nachsorgend tätig.

 

Kosten

Kommen wir zu den Kosten. Es ist geschenkt. Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Niemand muss Angst vor der Abrechnung haben. Im Gegenteil: Die Angst vor der Abrechnung wird im Falle der Behandlung entfernt. Das ist Teil der Schenkung. Und, wie gesagt: auch die Pflegeversicherung ist inklusive. Herzsprechstunden sind regelmäßig möglich. Terminabsprachen sind lediglich für Sie vielleicht eine Hilfe. Sich Zeit nehmen für ihr Herz, sich Zeit nehmen für das Herz von anderen. Sich Zeit nehmen für das Herz dessen, was Sie in sich tragen. Das liegt bei Ihnen und überlassen wir Ihrer Freiheit und persönlichen Fürsorge. Verpflichtungen entstehen keine. Allerdings ist eine Herzensbindung Teil der Behandlung. Anders: das neue Herz ist vom Umtausch ausgeschlossen. Das Verfahren basiert auf Vertrauen von nun an bis in Ewigkeit, um auch ein Wort zu den Fristen und den Verfallsdaten verloren zu haben.

 

Der Nächste Bitte

Soviel zur ersten Herzsprechstunde im neuen Jahr. Schön, dass Sie gleich den erst möglichen Termin wahrgenommen haben. Das war eine sehr gute Entscheidung. Etwas für das Herz tun. Das Wartezimmer war heute früh nicht überfüllt, das hatte für Sie den Vorteil, dass für den einzelnen genug Zeit war und Raum. Wenn Sie den Ruf hören: der Nächste bitte, dann wissen Sie, dass Sie gemeint sind. Sie können dem anderen zum Nächsten werden. Dazu hilft das neue Herz. Amen.