„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräerbrief 13,14)

Gedanken zur Jahreslosung 2013 von Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident EKHN:

Auf dem Gehweg stapeln sich die Umzugskartons. Gleich muss der Möbeltransporter kommen. Dann geht es ab in eine fremde Stadt. Die neue Arbeit wartet dort schon. Nicht nur Hemden, Möbel und Teller machen sich auf den Weg. Im Gepäck sind auch eine Portion Spannung und ein Stück Ungewissheit. Zurück bleiben Freunde und Bekannte. Und für die Verwandtschaft ist es Zeit, sich neue Adressen und Telefonnummern einzuprägen. Die Welt ist in Bewegung.

„Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Das ist die biblische Jahreslosung für das Jahr 2013. Sie zeigt: Schon immer war das Leben in Bewegung. Die Bibel ist voll von Beispielen. Abraham und Moses verlassen ihr Zuhause und suchen für sich und ihre Familien eine neue Zukunft. Auch Jesus ist ein festes Zuhause eher fremd. Er ist auf Wanderschaft.

Gleichzeitig verbinden sich mit dem Vers der Jahreslosung jene mulmigen Gefühle und Gedanken, die oft zu Aufbrüchen gehören. Warum kann es nicht so bleiben, wie es ist? Es ist eine menschliche Erfahrung, dass die Bewegung auch Unsicherheit mit sich bringt. Es schmerzt, Gewohntes aufzugeben. Es ist schwer, etwas loszulassen. Es bleibt gleichzeitig offen, was auf mich wartet. Und vielleicht ist das Ziel noch nicht einmal klar. Wenn alles im Fluss ist, brauche ich Dinge, die feststehen. Wenn alle in Bewegung sind, brauche ich einen Ort, an dem ich bleiben kann.

Die Jahreslosung ermutigt, das Leben nach vorne zu leben – auf Hoffnung hin: Neues wagen – im eigenen Leben, im Zusammenleben mit anderen, in der Kirche, in unserer Gesellschaft. Neues wagen, weil Gott Zukunft schenkt. Das gilt auch dort, wo wir keine Zukunft mehr sehen. Oft werden die Worte der Jahreslosung bei einer Beerdigung gesprochen. Sie drücken aus, dass Gott eine Zukunft verheißen hat – auch über den Tod hinaus. Das ist Hoffnung für die Toten und für die Lebenden.

Nach christlichem Verständnis kommt Zukunft von Gott her. Wir gehen ihr entgegen. Und das große Hoffnungsbild der Zukunft, die von Gott her kommt, ist eine neue Welt. In ihr werden Tränen getrocknet. In ihr sind Schuld und Gewalt überwunden. In ihr kommen Schmerzen nicht mehr vor. Und in ihr hat sogar der Tod ausgedient. Dieses Hoffnungsbild gibt Kraft – mitten in den Aufbrüchen, die das Leben von uns fordert.

Eines unserer neueren Kirchenlieder fasst dies in die Worte: „Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.“

Sonntag, 26. Februar 2017:
HERR, du machst alles lebendig und das himmlische Heer betet dich an.
Nehemia 9,6