"Die Taufe gehört in die Mitte..." - Von der Idee zum Projekt

Entwurf (c) Bodo Sperlein

 

Angeregt durch die Kirchenbaudirektorin der EKHN, Margit Schulz, und bestärkt durch ein Gespräch mit der Vertreterin des Denkmalschutzes, Dr. Verena Jakobi, beschäftigte sich der Kirchenvorstand im Frühjahr 2016 erstmals mit dem Gedanken, nach der gelungenen historischen Innensanierung der Johanneskirche auch die liturgischen Orte Taufe, Ambo (Lesepult) und Osterkerzenhalter in den Blick zu nehmen.

Die liturgische Ausstattung der Kirche aus den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war nicht nur sichtbar in die Jahre gekommen und stilistisch nicht mit dem stimmigen Gesamtbild der neu gestalteten Johanneskirche vereinbar - vor allem auch der Ort der Taufe - am Rand des Altarraums und durch den Pfeiler fast vor den Blicken der Gemeinde versteckt – schien ihrer liturgischen Bedeutung kaum angemessen.

Analog zum Abendmahl, das in der Mitte der Gemeinde gefeiert wird, sollte auch das zentrale Sakrament der Taufe aus der "Nische" in die Mitte des Gottesdienstes und der Gemeinde rücken. So entstand die Idee eines "mobilen Taufbeckens", das in einer schlichten und zugleich wertigen Gestaltung zentrale Symbolik, Materialität und Formensprache der historischen Johanneskirche aufnimmt und doch einen ganz eigenen, neuen Akzent setzt.

Auf Vorschlag der Fachstelle für Kunst und Kirche der EKHN hat der Kirchenvorstand den Londoner Designer Bodo Sperlein um einen Entwurf zur Neu-Gestaltung der drei zentralen Elemente Taufe, Ambo (Lesepult) und Osterkerzenleuchter gebeten. Bei seinem ersten Besuch in Erbach war dieser so begeistert von der Kirche und ihrer Geschichte und besonderen Ausstrahlung, dass er sich gern auf das für ihn neue Feld der liturgischen Ausstattung einer Kirche einließ. (s. dazu das Interview in der Stimme vom Herbst 2016).

Seine Idee, Materialität und Grundform des Kronleuchters als vermutlich ältestem Ausstattungsgegenstand der Kirche aufzugreifen und daraus eine neue Form zu entwickeln, die einen ganz eigenen Akzent in der Kirche setzt und zugleich in abstrakter Form die Weintrauben-Symbolik auf Deckengewölbe und Fenstern der Kirche aufgreift, hat den Kirchenvorstand gleichermaßen überrascht wie überzeugt.

Nachdem sowohl Kirchenbaudirektion als auch Kunstbeauftragter ihre (nicht zuletzt finanzielle) Unterstützung zugesagt hatten und auch der Denkmalschutz kein Veto eingelegt hatte, entschied sich der Kirchenvorstand im Herbst 2016 einstimmig dafür, Bodo Sperlein und sein Büro mit der konkreten Planung zu beauftragen.

Die entstandenen Entwürfe wurden in einer Gemeindeversammlung im Januar 2017 erstmals öffentlich vorgestellt. Die dort gestellten Rückfragen und Hinweise sind in die Gestaltung des neuen und vor allem auch in die Entscheidung zum Verbleib des alten Taufbeckens eingeflossen. Im Herbst 2017 wurden die Formen in der Firma Leiser in Darmstadt hergestellt und in einem ersten Ortstermin mit Bodo Sperlein geprüft. Mit der Gießerei Glassl aus Michelstadt im Odenwald konnte ein kompetenter Partner für die Durchführung des Projekts gewonnen werden.

Im Dezember 2017 wurden Taufbecken, Ambo und Kerzenleuchter gegossen und sind unter den Augen einer Abordnung des Kirchenvorstands und des Künstlers ihren Formen „entschlüpft“. Aktuell werden sie in der Abtei Münsterschwarzach veredelt und brüniert, bevor Mitte März 2018 die Installation in der Johanneskirche ansteht.

Mit einem Gesamtvolumen von ca. 75.000 Euro ist diese Maßnahme kein geringfügiges Projekt. Dennoch hat sich der Kirchenvorstand bewusst dazu entschieden, für diese Ausstattung der Kirche keine neue Spendenaktion ins Leben zu rufen, sondern die notwendigen Eigenmittel (ca. 35.000 Euro) aus den vorhandenen Rücklagen der Gemeinde zu finanzieren. Dankbar ist er für die großzügige Unterstützung seitens der Landeskirche sowie für die bereits zahlreich eingegangenen spontanen Spenden einzelner Gemeindeglieder, denen die liturgische Ausstattung und stimmige Gestaltung der Johanneskirche besonders am Herzen liegt. Gern können auch Sie sich noch an diesem besonderen Projekt beteiligen!

TRIANGELIS-Spendenkonto: 62243
Rheingauer Volksbank, BLZ 51091500,
„Projekt Taufbecken“
IBAN DE31 5109 1500 0000 0622 43
BIC GENODE51RGG 
 

Vom Modell bis zum fertigen Guss - Dokumentation: T. Glassl



















Fotos 19-24: J. Becker




Fotos 25-26: J. Euteneuer